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Parajanov - Ein Requiem
- Länge:
- 57 min.
- Herstellungsjahr:
- 1994
- Land:
- Deutschland
- Regie:
- Darsteller/Mitwirkende:
- Sergej (Sergei) Paradjanov (Parajanov, Paradzhanov)
- Produktionsfirma:
- Ö-Film Frank Löprich & Katrin Schlösser Produktion, in coproduction with KINO Productions Dorothea Holloway
- Berlinale Sektion:
- Special
- Berlinale Kategorie:
- Dokumentarfilm
Zu Zeiten der Sowjetunion war der armenische Regisseur Sergei Parajanow ein „enfant terrible“ der osteuropäischen Kinos. Seine visuell intensiven Filme und Collagen – die sich meist mit der Bevölkerung des Kaukasus beschäftigen – begeisterten Filmkritiker und cineasten weltweit, stießen aber bei der sowjetischen Führungsschicht auf Missmut, da sie sich nicht den sozialistischen Spielregeln unterwarfen. Mehrmals lehnten die Zensurbehörden Scripts des Regisseurs ab, Arbeitsverbote wurden ausgesprochen und zweimal wurde er inhaftiert, von 1974-78 wegen Propagierung von Homosexualität. Das Parajanow Männer liebte, war den Oberen nämlich ebenfalls ein Dorn in Auge selbst weltweite Proteste von Künstlern konnten die Haftstrafe nicht verhindern. Einen autobiographischen Dokumentarfilm mit der Titel THE CONFESSION konnte der Filmemacher, der 1990 in Armenien gestorben ist, nicht mehr fertig stellen – Material aus diesem Film wird in Ron Holloways Dokumentarfilm Parajanow verwendet, der im Berlinale-Wettbewerb außer Konkurrenz läuft. Die Basis der filmischen Hommage bilden Ausschnitte aus dem letzten Interview parajanows, das er 1988 auf den Münchener Filmfestspielen gegeben hat. Die Gespräche gehen auf die künstlerische Identität des Regisseurs ein und kommunizieren ein Bild der repressiven Arbeitsbedingungen, denen er sich im Sowjet – Regime ausgesetzt sah. Der knapp einstündige Dokumentarfilm ist das fein gezeichnete Porträt eines der großen Filmemacher des zwanzigsten Jahrhunderts und eine Reflexion der repressiven Bedingungen, denen dieser sich in der Sowjetunion ausgesetzt sah.
BIOGRAFIE Ron Holloway
1933 in Illinois geboren, lebte er seit 1968 in Europa, zunächst in Paris, dann in Hamburg und schliesslich mit seiner Frau, der Schauspielerin Dorothea Moritz-Holloway, in Berlin. Gemeinsam mit ihr gab er seit 1979 die Zeitschrift "KINO Deutscher Film" heraus, die neben einer kontinuierlichen Chronik des deutschen Films einen Überblick über das aktuelle Festivalgeschehen bot - nicht nur aus Berlin, Cannes oder Venedig, sondern auch aus vielen weniger populären, die dennoch unverzichtbare Orte der Wahrnehmung von Filmemachern und Filmkultur sind. Ohne institutionelle Unterstützung entstanden und von Ron und Dorothea auf Festivals kostenlos verteilt, bleibt sie ein außergewöhnliches Zeugnis filmpublizistischer Hingabe. In seinem Hauptberuf arbeitete Holloway für Magazine wie Variety, The Hollywood Reporter, Moving Pictures International und The International Film Guide. Neben dem deutschen Kino galt Holloways besonderes Interesse dem Kino Osteuropas, dem er eine Reihe von Büchern und eine umfangreiche Datenbank widmete. Aus diesem Engagement entstanden auch filmische Porträts der Regisseure Elem Klimov und Sergej Paradjanov.
1959 wurde Holloway in Chicago zum katholischen Priester geweiht, wo er das National Center for Film Study mitbegründete. An der Universität Hamburg promovierte er in Evangelischer Theologie mit seiner Studie "Beyond the Image". Ansätze zur religiösen Dimension im Kino", die er 1977 mit Unterstützung des Ökumenischen Rates der Kirchen veröffentlichte. Sein kirchlicher, theologischer und ökumenischer Hintergrund wurde durch die Zusammenarbeit mit der Internationalen Kirchlichen Filmorganisation INTERFILM, deren Ehrenmitglied er war, fortgesetzt. Er wurde mit dem Bundesverdienstkreuz und der Berlinale Kamera ausgezeichnet und erinnerte damit auch an seine Mitarbeit in der Auswahlkommission des Festivals 1977-1979. Wer Ron Holloway kannte, war beeindruckt von seinem überlegenen Wissen und klaren Urteilsvermögen und tief berührt von seiner persönlichen Sanftheit. Er starb am 16. Dezember 2009 an Krebs.
FILMOGRAFIE Ron Holloway (Auswahl)
1994 Parajanov - Ein Requiem
