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Tote Schwule – lebende Lesben

Länge:
87 min.
Herstellungsjahr:
2007
Land:
Deutschland
Regie:
Darsteller/Mitwirkende:
Albrecht Becker
Joe Luga
Walter Schwarze
DJ Ipec
Manuela Kay
Maren Kroymann
Mahide Lein
Laura Radosh
Silke Radosh
Produktionsfirma:
Rosa von Praunheim Productions
Berlinale Sektion:
Panorama
Berlinale Kategorie:
Dokumentarfilm

In seinem Dokumentarfilm entwirft Rosa von Praunheim die Vision einer von Frauen regierten Subkultur und damit eine Geschichte der Homo­sexua­lität und ihrer Unterdrückung, die er neu gewichtet: Während die ho­mo­sexuellen Männer in Deutschland erst durch den Holocaust und später durch Aids herbe Verluste hinnehmen mussten, setzten sich Praunheim zufolge die lesbischen Frauen mittlerweile an die Spitze der sogenannten Queer-Bewegung.
Die weiblichen Protagonisten im Film entstammen zwei Generationen und stehen für Gegenwart und Zukunft der Homosexuellen in der Ge­sell­schaft: Die in Berlin lebende Türkin DJ Ipec, die sich souverän in der Clubszene bewegt, die Journalistin Manuela Kay, die das Lesbenmagazin „L-Mag“ herausgibt, und die Familiengründerinnen Laura und Silke Radosh, die mit ihrem Baby eine lesbische Krabbelgruppe besuchen. Auch die Schau­­spielerin und Kabarettistin Maren Kroymann zählt zu den in die Zu­kunft weisenden Protagonisten. Sie war in der Erfolgsserie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ als Pastorengattin bekanntgeworden, um sich kurze Zeit später dann souverän zu outen.
Die männlichen Protagonisten dagegen gehören alle zu der einen Ge­ne­ration, die das Dritte Reich und Deutschland am repressivsten Punkt der Geschichte erlebte. Hier greift von Praunheim auf selbstgedrehtes Material seiner inzwischen verstorbenen Helden zurück, das er zu intensiven Por­träts verdichtet. Walter Schwarze und Albrecht Becker* waren in der Nazizeit interniert – der eine ein Melancholiker, der fast an seinem Schicksal zerbrach, der andere bekennender Masochist, der sein Leben im Knast genoss. Auf die Nachkriegszeit verweist der Entertainer Joe Luga. Als Chansonnier hatte er die Truppen an der Ostfront noch in Frauenkleidern unterhalten und kam erst unter der Regierung Adenauer ins Gefängnis.

*(Albrecht Becker wurde ebenfalls in Rob Epsteins PARAGRAPGH 175 porträtiert.)

BIOGRAFIE Rosa von Praunheim


Geboren 1942 in Riga. Er studierte an der Werkkunstschule Offenbach am Main sowie an der Hochschule der Künste Berlin. 1967 realisierte von Praunheim erste Kurzfilme. Sein Durchbruch gelang ihm 1971 mit dem Dokumentarfilm Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt.

FILMOGRAFIE Rosa von Praunheim (Auswahl)

2017 Überleben in Neukölln  2016 Welcome All Sexes: 30 Jahre Teddy Awards   2015 Härte  2013 Mario Wirz  2011 Mondo Lux - Die Bilderwelten des Werner Schroeter  2011 Die Jungs vom Bahnhof Zoo  2011 König des Comics  2010 New York Memories  2007 Tote Schwule – lebende Lesben  2004 Umsonst gelebt - Walter Schwarze  2004 Männer Helden und schwule Nazis  1990 Positiv  1989 Schweigen = Tod  1971 Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt 

Rosa von Praunheim Website
Rosa von Praunheim IMDb

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